Archiv für April 2006

Vom Bauhaus in die Neue Welt. 09.03.-04.06.2006

Die Londoner Tate Modern zeigt die avantgardistischen Werke der Bauhaus-Künstler Josef Albers und Laszlo Moholy-Nagy

von Christiane Brune-Wiemer

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Den zwei grossen Bauhauskünstlern Albers und Moholy-Nagy widmet die Londoner Tate Modern bis zum 4. Juni einer Sonderausstellung, deren systematische wie konsequente Parallelpräsentation die Entwicklungswege beider Künstler und Pädagogen erlebbar werden lässt.

Beiden Künstlern ist die Auseinandersetzung mit der Industriegesellschaft und dem neu zu definierenden Standort der Kunst gemein. Moholy-Nagy (1815 – 1946) nutzte die technischen Errungenschaften für seine vielfältigen Experimente mit Technik und Material, wie sie in seinen „Telefonbildern“ und „Fotogrammen“ auf ganz unterschiedliche Art und Weise zum Ausdruck kommen. Das Phänomen Licht mit seinen diversen Erscheinungsformen zwischen Licht und Schatten wurde zum fotografischen Experimentierfeld, das über die „kameralose Fotografie“ zur Erfindung des „Fotogramms“ führte, aber auch Einfluss auf seine Malerei und Plastik ausübte.

Fläche, Farbe, Raum und Licht als bildnerische Elemente finden sich in der Malerei und Plastik ebenso wie in seiner Gebrauchsgrafik, die nicht nur im Design der vierzehn Bauhaus-Bücher zur Anwendung kam, sondern auch in seinen zahlreichen Plakatentwürfen.
Als Typograph legte er Wert auf Klarheit und Lesbarkeit und bevorzugte deshalb auch Groteskschriften. Asymetrische Schriftanordnungen sowie balkenähnliche Unterstreichungen sind Ausdruck bildnerischer Experimentierfreude und inzwischen auch Erkennungsmerkmal originaler Bauhaus-Literatur.

1937 erfolgte Moholy-Nagys Übersiedlung in die USA und dort der Aufbau des „New Bauhaus“ in Chicago. Nach dessen Schliessung gründete er 1938 seine „School of Design“, die später als „Institute of Design“ sogar Hochschulstatus erlangte.

Die literarisch-theoretische Reflexion galt Moholy als wichtiger, integraler Bestandteil seines gesamten Schaffens. Die beiden Hauptwerke „Malerei, Photografie, Film“ (1925) und „Von Material zu Architektur“ (1929) haben bis heute nicht den gebührenden Stellenwert in der Kunsttheorie erfahren. Umso bedauerlicher, da die Idee der „Ökonomisierung der Mittel“, Themen „sozialer Humanisierung“, das Zusammenfliessen von „Intuition und bewusster Analyse“ für den künstlerischen Schaffensprozess, auch heute noch generelle, gesellschaftlich- kulturelle Aufgaben- und Fragestellungen sind.

Kunst-schaffen und (Kunst-)Lehren sind für Moholy-Nagy wie Albers (1888 – 1976) gleichwertig und eng miteinander verknüpft. Radikaler sind die pädagogischen Zielsetzungen bei Josef Albers. Seine interdisziplinären Ansätze der Material- und Arbeitsökonomie spiegeln dies wieder: optimale Materialnutzung bei anfänglicher Beschränkung des Werkzeuggebrauches als Lehrgrundlage für die Vorkurse am Bauhaus. Dies soll die Studenten zu einer Vielseitigkeit im Schaffen befähigen. Albers eigene Viel-seitigkeit reicht vom Pädagogen, Künstler und Designer bis zum Typografen, eine
Befähigung, die er mit vielen Bauhauskollegen teilt.

Seine ersten Glaskompositionen, die „Scherbenbilder“, basieren zwar auf dem bekannten Prinzip der Assemblage, sind zugleich aber auch Auseinandersetzung mit den entsprechenden Materialien. Seine Beauftragung zum Aufbau der Glaswerkstatt am Bauhaus fördert die Weiterentwicklung dieser Glaskunst zu „Einscheiben-Glasbilder“. Hierbei kommt Glas nicht in seiner ursprünglichen, transluzenten Form zur Anwendung, sondern bleibt undurch-sichtig, opak, mit andersfarbigen Überhängen. Die tektonisch gebundenen, einfachen geo-metrischen Formen werden durch Schablonenschnitt, Sandstrahlung oder Fräsen heraus-gearbeitet und legen die Grundschichten frei. Dadurch kommt es zu einer visuellen Tiefen- und Raumillusion beim Betrachter. Technische Präzision versus individuell-künstlerische Handschrift ist ästhetische Maxime dieser Arbeiten (und zugleich pädagogisches Grundprinzip).

Nach der Emigration in die USA führt Albers seine Lehrtätigkeit fort und wird später Professor in Yale. Er experimentiert mit Farbe, grafischen Mustern und reinen Farbflächen. Es entsteht in den fünfziger Jahren bis in die sechziger hinein die quadratische Bildserie „Homage to the Square“, die seinen künstlerischen Durchbruch bewirken und untrennbar mit seinem Namen verbunden werden. Drei oder vier Quadrate werden dabei so ineinander gestaffelt, dass ihre inneren Quadratfelder nicht zum Mittelpunkt hin angeordnet sind, sondern nach unten zum Bildrand hin tendieren. Die „Homage to the Square“-Serie schärft unweigerlich nicht nur die Wahrnehmung von farblichen Wechselwirkungen, sondern zeigt ebenso die gestalterischen Möglichkeiten von Farbbeziehungen und (gegen-seitigen) Farbbeeinflussungen. Albers macht zudem zu jedem Bild exakte Farbangaben: Farbbezeichnung mit jeweiligen Farbhersteller. Das Phänomen, dass derselbe Farbname bei jedem Hersteller zu einer anderen Nuancierung führt wird sichtbar, sobald die namentlich identischen Farbprodukte nebeneinander auftreten. Die Schwierigkeit der Farbkommuni-kation, die jeder Anwender aus der täglichen Praxis kennt, ist hier sehr eindrücklich erleb- und nachvollziehbar. Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang seine Schrift „Interaction of Colours“, die diese künstlerische Tätigkeit theoretisch untermauert und begründet. Sie hat seinen Ruhm gleichermassen bewirkt und gilt als Standard-Fachliteratur bis zum heutigen Tag.

Allen professionellen Farbanwendern und Farbbegeisterten sei diese Ausstellung wärmstens ans Herz gelegt. Eine weiterführende Auseinandersetzung mit den pädagogischen Ansätzen und Zielen dieser beiden Bauhaus-Künstler könnte die Folge des langen Weges nach London sein. Sollte die Zeit dafür nicht reichen, so kann man vom 25. Juni bis 1. Oktober
diesen Jahres den Weg in die Bielefelder Kunsthalle wählen.

Ort: London, Tate Modern
bis 4. Juni 2006

Deutschland: Bielefeld, Kunsthalle
25. Juni – 1. Oktober 2006

24. April 2006

4. Internationaler Bauhaus Award verliehen

Am 25. März hat die Stiftung Bauhaus Dessau den vierten Internationalen Bauhaus Award verliehen.

Unter dem Motto „Aktualisierung der Moderne“ waren junge Gestalter, Künstler und Wissenschaftler aufgefordert, für das frühere Direktorenhaus Gropius im Ensemble der Meisterhäuser in Dessau Ideen zu entwickeln, die sich mit den Grundwerten der Moderne auseinander setzen und diese inhaltlich fortschreiben. Außerdem sollten die Arbeiten einen erkennbaren Bezug zum konkreten Ort, zur Stadtentwicklung Dessaus und zum Bauhaus herstellen.

Entscheidung der Jury
Die Jury betont, dass alle in der Endrunde präsentierten Arbeiten wertvolle Beiträge zur Diskussion um die Aktualisierung der Moderne geliefert haben. Unter der besonderen Aufgabenstellung einer zukunftsweisenden Lösung für den Umgang mit dem Areal des Direktorenhauses Gropius beurteilte die Jury einen Beitrag als ganz besonders herausragend, der mit dem ersten Preis bedacht wird. Die mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Arbeit widmet sich der Fortschreibung der Moderne im Allgemeinen und trägt der Tatsache Rechnung, dass sich das Bauhaus als interdisziplinäres Projekt verstand und der Internationale Bauhaus Award ebenfalls interdisziplinär ausgeschrieben war. Der dritte Preis wird nicht vergeben. Das Preisgeld wird wie folgt aufgeteilt, um der Qualität der Arbeit des 1. Preisträgers Ausdruck zu verleihen: 1. Preis – 8000 Euro; 2. Preis – 4000 Euro

1. Preis
Der 1. Preis geht an: Stephan Weber und Michél Flaßkamp, Architekturstudenten aus Münster, für ihre Arbeit „EMMER moves out“. Die Entscheidung fiel einstimmig.

Weitere Informationen:
www.bauhaus-dessau.de

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7. April 2006

Designworkshops in Boisbuchet. Juli – September 2006

Domaine de Boisbuchet

Die Domaine de Boisbuchet ist ein idyllisches Landgut im Südwesten Frankreichs (Region Poitou-Charente). Seit einigen Jahren unterhält das Centre International de Recherche et d’Education Culturelle et Agricole (C.I.R.E.C.A.) dort ein internationales Kulturzentrum.

In Kooperation mit dem Centre Georges Pompidou und dem Vitra Design Museum werden im Sommer Workshops unter Leitung international anerkannter Künstler, Designer und Architekten angeboten. Einige Ideen, die im Rahmen dieses Projekts entstanden, werden als Serienprodukte realisiert und unter dem Label Boisbuchet Collection vertrieben.

Design Workshops

Die internationalen Sommerworkshops werden von Mitte Juni bis Mitte September ange-
boten. Geleitet werden die Kurse von renommierten Designern, Architekten und Künstlern. Der Programmschwerpunkt liegt auf der praktisch-kreativen Arbeit, die von Vorträgen und Diskussionen ergänzt wird.

Ziel der Workshops ist nicht die Gestaltung eines „perfekten“ Produkts, sondern die Vermitt-
lung von Einblicken in den Designprozess und die damit verbundenen Herausforderungen an rationales Denken, Fantasie und manuelle Fertigkeiten. Das Themenspektrum reicht von Produktdesign, Grafik, Fotografie, Architektur und Ausstellungsdesign bis hin zur Gestaltung von Schmuck. Experimentelle Fragestellungen werden ebenso berücksichtigt wie die Vermittlung von handwerklichen Fähigkeiten.

Pro Woche werden bis zu drei Kurse mit jeweils unterschiedlichen Themen angeboten. Die Dauer der einzelnen Workshops variiert zwischen 6 und 10 Tagen, in denen Teilnehmer und Kursleiter gemeinsam auf der Domaine arbeiten und leben.

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7. April 2006

Outlook ‒ Architectural Elements. 23. – 27.April 2006

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7. April 2006

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