Archiv für August 2006

Zeche Zollverein in Essen

von Christiane Brune-Wiemer

Auf die derzeit laufende Designmesse „Entry 2006“ im Essener Zollverein wurde an dieser Stelle bereits ausführlich hingewiesen. Um allen Besuchern auch eine Auseinandersetzung mit der „neuen“ Zechenarchitektur zu erleichtern, sei auf den nachfolgenden Artikel der NZZ verwiesen.

Im Vordergrund steht für alle Farbinteressierten natürlich die Frage nach der Farbgestaltung dieser neukonzipierten historischen Anlage. Es ist festzustellen, dass der graue Zeittrend auch vor japanischen Architekten nicht halt macht… Was sagt uns das? Eine ausführliche Debatte zur architektonischen Vergrauung scheint angesagt, wenn nicht gar überfällig.

Hier nun der Artikel:

>Von der Kohlenwäsche zum Design der Zukunft< Die Ausstellung «Entry 2006» in der Zeche Zollverein in Essen Mit der neuen Designschule von Sanaa und der umgebauten Kohlenwäsche von Rem Koolhaas versucht Essen in der Kulturszene zu punkten. Als Blickfang dient die Designausstellung «Entry 2006». Noch 1989 stand die Essener Zeche Zollverein kurz vor dem Abriss. Die Zeugen von mehr als hundert Jahren Industriegeschichte sollten neuen Arbeitsplätzen weichen. Doch es kam anders: Im selben Jahr setzte die IBA Emscher Park die Erhaltung der Zeche Zollverein durch. Es brauchte zwar einige Zeit, bis die Bevölkerung den Wert der Anlage erkannte, doch heute, zwanzig Jahre nach Stilllegung von Zollverein, sind die Essener stolz auf ihr neues Weltkulturerbe. Die Weichen für eine neue Zukunft der Zeche Zollverein wurden 2001 gestellt, als die Kommune für einen Designstandort optierte, eine Entwicklungsgesellschaft für die architektonische und wirtschaftliche Transformation des Areals gegründet wurde und Rem Koolhaas' Rotterdamer Office for Metropolitan Architecture (OMA) einen Masterplan erarbeitete. Dieser sah im Wesentlichen drei «Attraktoren» vor: eine Designschule, den Umbau der Kohlenwäsche zum Ruhrmuseum und ein (später aufgegebenes) Kongresszentrum. Den internationalen Wettbewerb für die Designschule gewann das japanische Büro Sanaa von Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa mit dem verblüffend einfachen Entwurf eines monumentalen Betonkubus. Der durchlöcherte Kubus Die Essener Designschule (offiziell «Zollverein School of Management and Design») ist das erste europäische Gebäude von Sanaa. Sie ragt - laut Sejima - wie eine «Landmarke» aus den alten Bergarbeiterhäusern an der Gelsenkirchener Strasse heraus. Nähert man sich dem Neubau jedoch von der Zeche Zollverein her, wird zudem deutlich, dass der Betonwürfel mit einer Grundfläche von 35 mal 35 und einer Höhe von 34 Metern bestens auf die massive Kubatur der nahe gelegenen Kohlenwäsche reagiert. Dabei wollten Sejima und Nishizawa, die in Japan durch leichte und filigrane Architekturen bekannt wurden, die monumentale Industriearchitektur auf Zollverein nicht einfach kopieren. Sie entschieden sich für eine Zwischenlösung: keine vollends transparente Glasfassade, keine massive, undurchdringliche Betonwand. Sejima spricht von einer «abstrakten Mauer»: Sie wird von insgesamt 136 unregelmässig angeordneten Öffnungen durchstossen, ohne dass dem Aussenstehenden sofort die Geschosseinteilung einleuchtet. Aus Beton eine leichte Hülle zu konstruieren, verstanden die beiden japanischen Architekten als eigentliche Herausforderung. Sie schufen eine minimalistische Architektur mit reduzierter Materialpalette, einheitlich grauer Farbgestaltung, klarer Raumordnung und freien Grundrissen. weiterlesen…

31. August 2006

Gefangen in einem Labyrinth von blau-gelben Fliesen

Die verschlungenen Ornamente von Susanne Bollenhagen wehren den Blick des Bösen ab

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Zeven (hö). Passagen, sofern sie ohne Ladenzeilen gestaltet sind, haben oft etwas Unheimliches. Bedrohliches gar. Sie sind dunkel, uneinsehbar und die Wände oft mit Graffitis übersäht. Susanne Bollenhagen setzt der Tristesse bunte Fliesen entgegen und hat dem Durchgang von der Zevener Fußgängerzone zu den Parkplätzen am Mittelteich ein farbiges „Flechtband“ verpasst – und ein Gedankenspiel dazu.

Wer dem 2001 gefertigten Flechtband aufmerksam folgt, stellt fest, dass elf unterschiedliche Formen ineinander übergehen. „Diese Form von Ornamentik hatte ihre Blüte in den keltisch-nordischen Kulturen“, erklärt Susanne Bollenhagen. Mit dem Aufkommen der romanischen Kunst und Architektur erlebte die Ornamentik eine erneute Hochphase, der allerdings eine apotropäische Bedeutung beigemessen wurde. Mit anderen Worten: Ornamente dienten dazu, Unheil abzuwehren. Blicke – gerade böse – sollten darin gefangen genommen werden. Festgehalten in den Schlingen, Schlaufen und Knoten der bizarr angeordneten Formen. Die tatsächliche Aneinanderreihung der Passagen-Ornamentik entspringt allerdings eher einem anderen Prinzip: Dem des Zufalls – ausgewählt von einem Computerprogramm.

Mehr noch hat sich die Bremer Künstlerin gedacht, als sie 2001 ihr Konzept zur Neugestaltung der Zevener Fußgängerzone eingereicht hat. Neben der künstlerischen Anforderung stand für sie die „Aufhellung“ der dunklen Passage im Mittelpunkt. Kein Wunder also, dass ihr in dunkelblau gehaltenes Flechtband auf weißen Fliesen ruht.

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31. August 2006

BEF-Treffen bei Farbinfo 2006 // Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte

von Christiane Brune-Wiemer

Der Bund der europäischen Farbberater und -designer wird auch in diesem Jahr sein Herbst-Mitgliedertreffen während der Farbinfo 2006 veranstalten.

Zusätzlich zur Tagungsteilnahme an der Farbinfo 2006 bietet der BEF seinen Mitgliedern und allen Interessierten am 28. September eine Besichtigung der Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte in Großbothen an. Eine Führung sowie ein Vortrag wird die Besichtigung abrunden.

Wer war Wilhelm Ostwald, welche Bedeutung hat er für die Farbenlehre?

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1853 in Riga geboren, begann Ostwald 1872 ein Chemiestudium an der Universität Dorpat (heute Tartu, Estland). Verschiedene berufliche Stationen führten ihn von Riga über Leipzig nach Amerika. 1905 war er an der Harvard University als erster deutscher Austauschprofessor tätig. Nach seiner vorzeitigen Rückkehr 1906, ließ sich Ostwald in Großbothen bei Dresden nieder. Hier arbeitete er bis zu seinem Tode als freier Wissenschaftler.

Ostwald gilt als Begründer und Organisator der physikalischen Chemie. 1909 wurde ihm der Nobelpreis für Chemie verliehen für seine Forschungen auf dem Gebiet der Katalyse sowie für seine grundlegenden Untersuchungen über chemische Gleichgewichtsverhältnisse und Reaktionsgeschwindigkeiten.

Ab 1914 widmete sich Ostwald der Farbenlehre. Seine Faszination über die Farbenharmonien und deren vielfachen Kombinationsmöglichkeiten bildete die Forschungsgrundlage zur Entwicklung eines ästhetisches Farbsystems. Der Ostwaldsche Doppelkegel (siehe Abb. oben) ist das Ergebnis eines auf der Harmonielehre aufgebauten Farbsystemes. Die physikalischen Gegebenheiten einer Farbempfindung wurden dabei von Ostwald aber ebenso berücksichtigt. Aufbauend auf reinen Körperfarben, erfasste er eine repräsentative Auswahl von Farben und ordnete sie in einem Körperfarbenraum an, wobei die Parameter des Farbgehaltes, des Weiß- sowie Schwarzgehaltes die Anordnung bestimmten.

24 voll gesättigte Farbtöne liegen seinem Farbkreis zugrunde, er nennt sie: Vollfarben und kennzeichnet sie von 1-24. Aus ihnen entwickelt er seinen Doppelkegel, der in der Standardversion 680 Farben, darunter 24 Grundfarben in je 28 Abstufungen und 8 Grautöne, enthält.

Das Streben und Bemühen um die Farbharmonie führte ihn zu der Erkenntnis, daß die „richtige Ordnung“ der Farben, der Grund für die Harmonie sein müßte. Aufbauend auf seinem „Hauptsatz der Farbenharmonik“ entwickelte Ostwald seine Harmonielehre.

26. August 2006

Farbe univers 26.09.-01-10.2006

Dresden

Jahrestagungen von DfwG und DFZ

Unter dem Motto „Farbe univers“ werden – als ein Novum in der über 30jährigen Geschichte beider Gesellschaften – die „Jahrestagung 2006“ der DfwG und die „Farbinfo ’06“ des DFZ im Zeitraum vom 26. September bis 1. Oktober 2006 aufeinander abgestimmt an einem Tagungsort stattfinden; Gastgeber hierfür sind das Institut für Grundlagen der Gestaltung und Darstellung (IGGD) der Fakultät Architektur, die Kustodie mit den Universitätssammlungen Kunst + Technik, sowie das Institut für Angewandte Photophysik (IAPP) der Technischen Universität Dresden.

Wie der für die TU Dresden und die „Sammlung Farbenlehre“ am Institut für Grundlagen der Gestaltung und Darstellung verantwortliche Projektleiter, PD Dipl.-Ing. Eckhard Bendin, sagte, werde damit dem hohen wissenschaftshistorischen Rang Dresdens für die Farbe gerade im Jahr der „Stadt der Wissenschaften 2006“ Rechnung getragen: „Von Dresden ergingen wesentliche Impulse und Beiträge zur Entwicklung der Farbwissenschaft“; dieser wiederum sei eine „Schlüsselrolle bei der Entwicklung sowohl der chemischen Industrie, als auch der Textilindustrie und damit der Industrialisierung Deutschlands überhaupt“ zugefallen.

Zugleich hob Bendin die „hervorragende Bedeutung vor allem auch der ‚Historischen Farbstoffsammlung‘ am Institut für Organische Chemie der TU Dresden“ sowie der ‚Herrmann-Krone-Sammlung‘ zu den Anfängen der wissenschaftlichen Photographie am Institut für Angewandte Photophysik hervor.

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Die detaillierten Programme der jeweiligen Veranstaltungen finden sie unter:
www.dfwg.de
www.deutsches-farbenzentrum.de
www.arch.tu-dresden.de

26. August 2006

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