Archiv für Oktober 2006

PICASSO. Malen gegen die Zeit 22.09. – 07.01.2007

„Malen gegen die Zeit“ – der Untertitel der aktuellen Ausstellung weckt im ersten Moment Assoziationen des unablässigen Revolutionärs und Neuerers, als der Picasso in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Und tatsächlich hat dieser bis heute berühmteste Künstler des 20. Jahrhunderts, indem er immer wieder mit stilistischen Wendungen die Erwartungen seiner Zeitgenossen brüskierte, auch gegen jene Moderne malend angekämpft, deren Impulsgeber und zentrale Figur er selber gewesen ist.
In der von Werner Spies kuratierten Ausstellung meint „Malen gegen die Zeit“ jedoch primär nichts Kunsthistorisches, sondern eine allgemein menschliche, geradezu psychologische Dimension. Denn in seinem Alterswerk, das in Wien erstmals gattungsübergreifend zusammengetragen wurde, zeigt sich, wie für Picasso sein Altern selbst zum Problem wurde, wenn nicht zum symptomatisch und implizit beherrschenden Thema seiner Arbeit. So wird es möglich, die Zusammenschau der letzten 10 Lebensjahre nicht nur als spezielle Personale, sondern zugleich wie eine Themenausstellung wahrzunehmen. Und dabei etwas nachvollziehend zu erleben, was aktuell jeden Einzelnen ebenso wie die Gesellschaft in einer nie zuvor dagewesenen Intensität bewegt: das Anarbeiten gegen das Altern, die energische Zurückweisung der eigenen Endlichkeit, das hoch aktive Festhalten der Jugend. Wir alle leben heute gegen die Zeitlichkeit – in genau diesem Sinne malte Picasso in seinem letzten Jahrzehnt „gegen die Zeit“. Er schuf damit eine an Nuancen und Facetten reiche, in Hunderten von Gemälden, Druckgrafiken und Zeichnungen schier unerschöpfliche Phänomenologie der Vitalität. Sich in deren Lektüre einzulassen, hat eine geradezu erschreckende Aktualität.
Nicht die Magie der runden Zahl motiviert den zeitlichen Ausschnitt aus dem Gesamtwerk, vielmehr hat Picasso selbst als Achtzigjähriger ein neues Leben begonnen. Noch einmal eine jüngere Frau geheiratet, noch einmal eine neue Villa bezogen. Immer wieder neu anzufangen war ein Elan dieses Künstlers, der sich in seinem vielgestaltigen Werk eben so spiegelt wie in seinem Leben. Aus dieser Spiegelung leuchtet der ewig junge Greis, der sich gern im Morgenmantel ablichten ließ und immer deutlichere erotische Szenen skizzierte, als jene Heldenfigur der Vitalität und Kraft hervor, die sich als mythisches Bild vom „Genie“ und „Jahrhundert-Künstler“ im öffentlichen Gedächtnis nachhaltig verankerte. Der alte Torero wollte nicht aufgeben und wurde dafür von seinen Zeitgenossen so sehr geschmäht wie in den Himmel gehoben. Schließlich war er alt genug, um bei Lebzeiten schon eine Legende zu sein, wenn auch ein Heiliger des Eros.
In Wien waren bisher nur Picasso-Ausstellungen aus Privat-Sammlungen zu sehen, die entsprechend geprägt waren von individuellen Vorlieben und wechselndem Sammlerglück. Die Schau in der Wiener Albertina stellt sich – dem Temperament ihres Direktors Klaus Albrecht Schröder entsprechend – eine ehrgeizigere Aufgabe: Ein neues Verständnis, eine neue Sichtweise und eine neue Bewertung des Spätwerks sollen der bisherigen kunstgeschichtlichen Rezeption entgegen gehalten werden.

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Ort:
Albertina
Albertinaplatz 1
A- 1010 Wien

16. Oktober 2006

Michelangelo Antonioni „Il silenzio a colori“

Der italienische Meisterregisseur Michelangelo Antonioni wurde am 29. September 94 Jahre alt. Wir verdanken ihm Filme wie „Die rote Wüste“, „Blow Up“ oder „Zabriskie Point“. Antonioni gilt als Maler der Filmkunst. Das hat seinen Grund: er malt tatsächlich, und das mit Leidenschaft. Vor 20 Jahren nahm ihm ein Gehirnschlag die Sprache. Und doch malte er weiter. In Rom zeigt er erstmals seine jüngsten Werke. Titel der Ausstellung: „Il Silenzio a Colori – Die Stille in Farben“.

Die Ausstellung ist leider nur noch bis zum 22. Oktober 2006 zu sehen.

Ort:

Tempio di Adriano

Piazza Di Pietra

Rom

16. Oktober 2006

Bauchgefühl trifft Wissenschaft

Was ist gerade „In“ und was ist „Out“? Jeder glaubt es zu wissen, aber kaum jemand hat schon einmal hinterfragt, warum eine Mode, ein Einrichtungsstil oder eine Farbe bei den Verbrauchern besonders gut ankommt und eine andere in den Händlerregalen verstaubt. Daher hat das „Institute International Trendscouting“ (IIT) an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim im Auftrag der Industrie die Gesetzmäßigkeiten hinter einem Trend analysiert.

Hintergrund dieser Untersuchung war der Wunsch von Farbenherstellern festzustellen, welche Farben und Farbzusammenstellungen in naher Zukunft das Kaufverhalten der Kunden ansprechen. Der Fokus sollte dabei gleichermaßen auf langlebige wie auch kurzfristig prägnante Trendwelten gerichtet sein. Für die von Prof. Markus Schlegel durchgeführte Studie wurden 5.000 Bilddaten zur Wohnraumgestaltung aus fünf Jahrzehnten ausgewertet, Einflussfaktoren wie Architektur, Design, Mode und Multimedia analysiert.

Parallel dazu berücksichtigten die Trendforscher die Weichenstellungen, die von wirtschaftlichen Veränderungen, technischen Weiterentwicklungen, gesellschaftlichen Bedürfnissen und ethnologischen Einflüssen ausgingen.

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16. Oktober 2006

„Andrea Mantegna“ Ausstellungen zum 500. Todestag

Lichtgestalt der oberitalienischen Renaissance

500 Jahre nach Andrea Mantegnas Tod inszeniert Italien die Renaissance der Renaissance – mit Rätseln und Sensationen

Bevor Mitte dieser Woche auf der Berliner Museumsinsel in altem und zugleich völlig neuem Glanz das Bode-Museum mit seinen Prunkstücken vor allem der Skulpturenkunst der italienischen Renaissance eröffnet wird, wirft das Ursprungsland noch einmal ein strahlendes Licht – mit einer kunsthistorischen Sensation. Der Fall ist so, als würde von Leonardo da Vinci, dem Maler, Maschinenerfinder und gelegentlichen Architekten, plötzlich eine jahrhundertelang übersehene Figurengruppe entdeckt. Es geht dabei um Andrea Mantegna (1431 bis 1506), im 500. Todesjahr des früh mit Leonardo, Raffael oder Giorgione in einem Atem gerühmten Malers und Zeichners.

Mantegna galt sehr jung schon als eine Lichtgestalt der oberitalienischen Renaissance. Doch hatte er den Ruhm eben immer als Maler: etwa des gespenstisch grandiosen Mailänder Christus-Leichnams, den Mantegna in nie gesehener Perspektive von den wundmalgezeichneten Fußenden her aus der Sicht eines Obduzenten an der Bahre darstellt. Er ist der Freskenmeister der berühmten Camera degli sposi, des Brautgemachs im Herzogspalast von Mantua, oder der Schöpfer der feinsinnigsten Madonna in der Berliner Gemäldegalerie. Jetzt aber präsentiert ihn im italienischen „Mantegna-Jahr“ ein im internationalen Kunstbetrieb ziemlich einzigartiger Ausstellungszyklus der Städte Padua, Mantua und Verona erstmals auch als erstaunlichen Autor, ja: Inszenator von Skulpturen.

Das freilich ist nur einer der Gründe, die jetzt die Kunstwelt nach Oberitalien blicken lassen. Für Mantegna hat Italien kurz nach dem 500. Todestag des Künstlers viel mehr als nur eine Retrospektive des Renaissance-Malers inszeniert. Allein schon einen Großteil der raren, in Europa und exquisiten amerikanischen Kollektionen verstreuten Originale erstmals nach einem halben Jahrtausend wieder zu versammeln, ist ein Ereignis. Doch das Dutzend Ausstellungen in Padua, Verona und Mantua öffnet den Blick weit über Mantegna hinaus. Noch einmal wie neu erzählt das Multi-Projekt von der Geburt der Moderne, dem Beginn der Autorenkunst, der Erfindung des Realismus, der Perspektive und des Individuums.

Weil man dabei auch die künstlerischen, religiösen, philosophischen und literarischen Einflüsse im Umfeld Mantegnas, also die kulturellen Zeitströmungen im 15. Jahrhundert bis hin zur Architektur und Stadtentwicklung, darstellen will, zeigt diese „Renaissance der Renaissance“ in den drei Städten bis Mitte Januar neben etwa 70 Gemälden, Zeichnungen, Stichen und Skulpturen Mantegnas noch über 800 weitere Werke und Objekte aus 140 europäischen und amerikanischen Museen; reich vertreten sind da auch die Berliner Staatlichen Sammlungen, nicht nur mit der erwähnten Madonna.

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16. Oktober 2006

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