Vom Einfluss farbiger Bildschirmhintergründe.

12. Februar 2009

von Christiane Brune-Wiemer

Das Fachjournal Science veröffentlichte jetzt Untersuchungsergebnisse kanadischer Psychologen, die sich mit dem Einfluss verschiedenfarbiger Bildschirmhintergründe beschäftigten.

Die Probanden der beiden Forscher Ravi Mehta und Rui Zhu, University of British Columbia in Vancouver, nahmen an sechs verschiedenen Hirnleistungstests teil. Die Forscher beobachteten, wie unterschiedliche  Hintergrundfarben (Weiß, Blau, Rot) von Bildschirmen das Testergebnis beeinflussten. Während ein roter Hintergrund zu einem besseren Abschneiden bei Gedächtnisuntersuchungen führte, sorgte ein blauer Hintergrund für kreativere Problemlösungen. Desweiteren wurde der Einflussfaktor Farbe bei der Entwicklung von Kinderspielzeug und bei Werbeanzeigen untersucht.

Die Forscher sehen zwischen den ausgesuchten Testfarben und den entsprechenden Assoziationen dazu, die Grundlage für die differenzierte Leistungsfähigkeit der Testpersonen. Während Rot u.a. mit Gefahr und Warnung assoziiert wird, vermittelt Blau ein gewisses Mass an Sicherheit, das, nach Einschätzung der Forscher, Innovationen fördert. Die meisten Probanden bevorzugten zudem einen blauen Hintergrund für alle gestellten Testaufgaben.

Aus ihren Untersuchungsergebnissen ziehen Mehta und Zhu weitreichende Schlüsse, auch für die Farbgebung von Unterrichts- und Arbeitsräumen. Denn: Farben hätten eine deutliche Auswirkung auf die Leistungsfähigkeiten von Menschen bei verschiedenen mentalen Aufgaben.

Sicherlich sind Farbassoziationen ein Aspekt bei der Farbkonzeptionierung, aber eben nur EINER. Im Zusammenhang, z.B. mit unserer gebauten Umwelt, führen sie allein zu einem unausgewogenen Ergebnis. Ansprüche von „human gestalteten Lebens- und Arbeitsumwelten“ sind so nicht zu erfüllen. Um hierfür zu aussagekräftigen, umsetzungsfähigen Ergebnissen zu kommen, müsste die Forschung der Kanadier ausgeweitet werden und u.a. die psychologischen wie physiologischen Einflussfaktoren mit berücksichtigen. Das weitere, wichtige Aspekte (z.B. das Licht und die Sättigung einer Farbe) eine verantwortbare Gestaltung beeinflussen, ist zumindest den Farbdesignern bekannt. Die Forschungsergebnisse sind deshalb auch nur eingeschränkt verwertbar und dürfen keinesfalls zu einem pauschalisierten Farbcode führen. Die unterschiedlichen Gestaltungsbereiche von Architektur, Grafik- oder Produktdesign über die Werbung etc., spielen dabei letztlich nur eine untergeordnete Rolle. Die Gesamtzusammenhänge sind das Entscheidende. Wie wenig darauf sowie auf Erkenntnisse der Farbforschung insgesamt Rücksicht genommen wird, beweisen aktuelle Publikationen in den Medien.

Der Forschungsansatz der Canadier ist begrüssenswert, die Ergebnisse jedoch sollten und müssen kritisch hinterfragt werden.

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