Farbe und Licht. Rezension.

27. August 2007

von Christiane Brune-Wiemer

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Aus der Flut der jährlichen Neuerscheinungen zum Thema Farbe, Design, Interior, Wohnen sticht das neueste Buch von Johannes Klinger Farbe und Licht wohltuend hervor.

Seit Frühjahr 2007 am Büchermarkt, präsentiert sich Farbe und Licht als fundiertes Fachbuch: seriös, aussagekräftig und zugleich innovativ wie inspirierend – und auch noch hervorragend gestaltet. Die verschiedenen Themen werden von Klinger übersichtlich in eigenständigen Kapiteln vorgestellt, besprochen und anhand hochwertiger Bildbeispiele visualisiert. Zur Anschauung kommen dabei die Möglichkeiten von Farbe und Licht jenseits von Trends und Mainstream. Das Potential neuer Technologien, Experimentierfreudigkeit und eine gehörige Portion Freigeistigkeit sind es wohl, die Entwicklungen und Realisierungen dieser Art ermöglichen. Das Klinger dabei auch die Bedeutung von Teamarbeit unterstreicht sollte keinesfalls überlesen werden.

Die Gestaltungsbeispiele bieten allesamt mehr als reine Raumfunktionalität. Sie verdeutlichen, wie Gestaltung mit Farbe und Licht einen qualitativen, feingeistigen Raummehrwert schafft. Begrifflichkeiten wie Individualisierung, Emotionalisierung oder Charakterbildung treffen hier wirklich einmal zu. Eben ganz dem Credo Klingers entsprechend, »dass der eigentliche Zweck individueller Gestaltung die Abweichung von der Norm« ist. Das Auge und die Seele des Betrachters ist dankbar für diese Abweichung.

Auch mit der Erkenntnis, dass Farbe und Licht in der Architektur dem Menschen dienen sollen, durchstößt Klinger das alltägliche Gestalten in seinen theoretischen wie praktischen Bezügen. Die Bejahung und Untermauerung der Farb- und Lichtwirkung veranlassen ihn von einem »neuen Schönheitskanon« zu sprechen. Aber wird diese Begrifflichkeit dem wirklich gerecht? Wird damit nicht vielmehr eine Reduzierung auf bloße Schönheit impliziert, die nur all zu gerne von Anderen argumentativ aufgegriffen wird? Ich denke, dass eine Erweiterung um »humane GestaltungKUNST« dieser Gefahr begegnet und klar hervorhebt, dass der Schönheitsbegriff hier nicht auf schmückendes Beiwerk reduziert werden kann. Die Ausführungen und Beispiele zeugen von Baukultur, und zwar: praktizierter Baukultur.

Der reiche Erfahrungsschatz sowie die ureigene Klingersche Experimentierfreude dringen durch die Inhalte des Buches hindurch und kulminieren in den Rubriken Planungsbeispiel – Farbe sowie Planungsbeispiel – Licht. Legt man das Buch zur Seite so wünscht man sich mehr Bauherren und Planer herbei, die diesen Idealen folgen wollen. Und als Gestalter … träumt man von Freiräumen.

Zu wünschen bleibt, dass dieses Buch alsbald Eingang findet in das Bau-Gestaltungsbewußtsein. Aufgefordert dazu hat es!

Und, lieber Johannes Klinger, was folgt nun?

Farbe und Licht
Johannes Klinger
Deutsche Verlags-Anstalt, München

ISBN-Nr. 978-3-421-03570-7

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